Entdeckungen für Klassikfans
Vorschau auf die Saison 2025-26
66. Konzertreihe
von Klaus Roß
Orchester-, Kammer- und Klaviermusik vereint in einer Konzertreihe: Diese besondere Kombination bieten die Kunstfreunde Wiesloch auch in ihrer 66. Saison. Zu den prominenten Gästen zählen Anna Vinnitskaya, Mao Fujita, Raphaela Gromes und Cornelius Meister; erstmals dabei sind neben den beiden Letztgenannten das Schumann-Quartett und das Quatuor Modigliani. Repertoire-Hits und Raritäten finden sich gewohnt gut gemischt – unbedingt hörenswerte Werke aus der Feder von Komponistinnen inklusive.

Bartóks furioses erstes Klavierkonzert mit Anna Vinnitskaya und der von Chefdirigent Michael Francis geleiteten Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz steht im Mittelpunkt des Saisonauftakts am 24. September. Umrahmt wird dieser Moderne-Klassiker von Strauss‘ „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ op. 28 und Auszügen aus Prokofjews „Romeo und Julia“ op. 64. Mit neuem Bratscher und Brahms‘ a-moll-Streichquartett op. 51/2 wird sich das Schumann-Quartett am 17. Oktober vorstellen; dazu ist der Pianist Fabian Müller in Beethovens Es-Dur-Sonate op. 31/3 und Dvoráks A-Dur-Quintett op. 81 gleich doppelt zu erleben. Zum zweiten Mal nach Wiesloch kommt am 14. November das nicht zuletzt durch eine exquisite Beethoven-Gesamteinspielung ausgewiesene Sitkovetsky-Trio. Neben dessen großem „Erzherzog-Trio“ op. 97 locken hier als romantische Trouvaillen die jeweils zweiten Klaviertrios der Schwedin Elfrida Andrée und der Französin Cécile Chaminade.
Frankophile Kammermusikfans dürfen sich speziell auf den ersten Palatin-Auftritt des renommierten Quatuor Modigliani am 26. November freuen. Erklingen werden Turinas impressionistisch getöntes Kabinettstück „La oración del torero“ op. 34, Debussys singuläres frühes Streichquartett und mit Francks allzu selten aufgeführtem D-Dur-Quartett von 1889 eines der grandiosesten Spätwerke aller Zeiten. Ebenfalls sein zweites Wieslocher Gastspiel gibt am 20. Dezember der junge japanische Starpianist Mao Fujita. In seinem originellen Programm treffen Miniaturen von Ravel, Widor und Debussy auf Bachs berühmte Chaconne BWV 1004 (Busoni-Fassung), Beethovens E-Dur-Sonate op. 109 und Rachmaninows monumentale erste Klaviersonate op. 28. Allein schon diese spektakuläre Rarität lohnt den Konzertbesuch. Eingängige Romantik pur servieren das SWR-Symphonieorchester und Gastdirigent Jakob Lehmann (Jahrgang 1991) am 30. Januar 2027 mit Johann Strauß‘ später „Waldmeister“-Operettenouvertüre, Dvoráks Violinkonzert op. 53 und Brahms‘ dritter Sinfonie op. 90. Entdeckenswerter Solist ist der amerikanische Enddreißiger Benjamin Beilman.


Das Stuttgarter Kammerorchester und die in Sachen Repertoire vorbildlich engagierte Cellistin Raphaela Gromes werden am 6. März vor allem für das lange vergessene F-Dur-Cellokonzert der einst viel bewunderten Liszt-Schülerin Marie Jaell werben. Davor gibt es Saint-Saens‘ beliebtes erstes Cellokonzert op. 33, danach noch Tschaikowskys ebenso populäre Streicherserenade op. 48. Satten Farbenreichtum verheißen Cornelius Meister und das Bundesjugendorchester am 3. April bei Arvo Pärts „Fratres“ (Version für Streicher plus Percussion), Rachmaninows „Sinfonischen Tänzen“ op. 45 und Schostakowitschs fünfter Sinfonie op. 47. Das Saisonfinale am 17. April mit dem Klarinettisten Daniel Ottensamer (Wiener Philharmoniker), dem Cellisten Stephan Koncz (Berliner Philharmoniker) und ihrem langjährigen Klavierpartner Christoph Traxler ist dann ein Pflichttermin für Liebhaber exotischer Besetzungen und unkonventionellen Repertoires. Auf dem Programm steht neben Klarinettentrios von Beethoven (op. 11), Bruch (op. 83/7 und 8), Pärt sowie Nino Rota als besonders klangopulentes Highlight das über halbstündige B-Dur-Trio op. 29 des faszinierend eigenwilligen Franzosen Vincent d’Indy.
