Donnerstag,  24.09.2026,  19.30 Uhr

€ 45 | 39 | 29

Deutsche Staatsphilharmonie

Rheinland-Pfalz

Anna Vinnitskaya Klavier

Michael Francis Leitung

ÜBER DIE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER

Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zählt zu den renommiertesten Klangkörpern Deutschlands und begeistert seit über einem Jahrhundert mit ihrem vielseitigen Repertoire und einer lebendigen Konzertkultur. Gerade Richard Strauss' farbenreiche Orchesterkunst und Prokofjews klanggewaltige Ballettmusik bieten dem Ensemble Gelegenheit, seine außergewöhnliche Ausdrucksvielfalt zu zeigen. Am Pult steht Michael Francis, dessen Karriere als Dirigent nach einer erfolgreichen Laufbahn als Kontrabassist begann und ihn in kurzer Zeit an die Spitze bedeutender Orchester in Europa, Nordamerika und Asien führte. Als Solistin ist Anna Vinnitskaya zu erleben, die seit ihrem Sieg beim renommierten Concours Reine Elisabeth zu den führenden Pianistinnen ihrer Generation zählt. Mit Béla Bartóks erstem Klavierkonzert, einem Werk voller rhythmischer Energie, perkussiver Kraft und faszinierender Klangfarben, kann sie ihre beeindruckende Virtuosität ebenso wie ihre gestalterische Tiefe eindrucksvoll entfalten.

PROGRAMM

Richard Strauss

Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28

Béla Bartók

Klavierkonzert Nr. 1 Sz 83

Sergej Prokofjew

Romeo & Julia - Suite I und II op. 64 (Auszüge)


REZENSION

Text Ein traumhafter Start in die neue Saison

Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz begeistert im Wieslocher Palatin mit Strauss, Bartók und Prokofjew

Von Simon Scherer |  Rhein-Neckar-Zeitung vom 28.09.26


Beim Saisonauftakt der Wieslocher Kunstfreunde wurden gleich zwei Markenzeichen dieser Abo-Reihe deutlich, die in der 66. Ausgabe stolze 61 Neuabonnenten begrüßte: Zum einen wird im Staufersaal des Palatins neben Kammermusik stets auch große Sinfonik geboten, zum anderen stehen hier keineswegs nur eingängige Dauerbrenner auf dem Programm. Diesmal Bartóks 1. Klavierkonzert, das nur selten im Konzertleben auftaucht und keine einfache Kost ist. Zur Eröffnung wurde allerdings erstmal veranschaulicht, welch üppige Besetzung die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mitgebracht hatte. Und wer eignet sich hierfür besser als Richard Strauss. Die vielen kleinen Bausteine von „Till Eulenspiegels lustigen Streichen“ wurden stets auf neue Instrumente verteilt, die von Dirigent Michael Francis transparent und pointiert herausgearbeitet wurden. Generell überzeugten die Pfälzer mit sauberer Klangarbeit und rhythmischer Präzision, was nicht zuletzt den klaren Instruktionen ihres Chefdirigenten zu verdanken war. Vom ersten bis zum letzten Takt hatten sie op. 28 voll unter Kontrolle, bewahrten sich aber auch eine verschmitzte Leichtigkeit, die das Hörerlebnis kurzweilig und unbefangen machte.  

Bereits der Aufbau zu Bartóks Klavierkonzert war außergewöhnlich: Vor dem Orchester stand neben dem Flügel nämlich noch reichlich Schlagwerk. Die Rhythmik bildet eben ein tragendes Element von Sz 83. Das zeigt gleich der Beginn, wenn die ersten Klaviertöne von hartnäckigen Paukenschlägen begleitet werden. Solistin Anna Vinnitskaya offerierte passend einen kraftvollen und kernigen Anschlag, schlank in der Gestalt und beharrlich insistierend. Da wurde man ordentlich wachgerüttelt. Generell hatte sich die Russin tief in das Wesen des Dreisätzers eingedacht, wusste die unterschiedlichen Gefühlsfelder deutlich zu trennen und jeden Moment für sich sprechen zu lassen. Zusammen mit der rhythmischen Schlagkraft waren die Hörer hier ziemlich gefordert. Im Andante wurden sie hingegen ins Reich der Phantasie entführt - bei Klängen, die ganz neue Dimensionen eröffneten und in weite Ferne blickten. Diese Reise war ungemein vielschichtig und durchaus vertrackt. Im finalen Allegro entfachten die Musiker in wilder Entschlossenheit nochmals ein spektakuläres Feuerwerkt, wonach die Zugabe richtig wohltuend war: Silotis h-Moll-Prelüde nach Bach. 

Nachdem sich die Staatsphilharmonie schon für Bartók als kongenialer Partner präsentiert hatte, bescherte sie mit Auszügen aus Prokofjews „Romeo & Julia“ einen fulminanten Abschluss. Allein das einzigartige Crescendo zu Beginn ließ kein Zuhörer-Herz unberührt. Francis mischte dieser ausladenden Romantik eine verwegene Gangart bei, die vom Orchester herrlich rustikal umgesetzt wurde. Auch die anderen Bilder malten die Musiker mit Feingespür und Sensibilität aus – ganz besonders das Pendeln zwischen süßlicher Romantik und verruchter Leidenschaft. Die weltberühmte Liebesgeschichte war somit hautnah mitzuerleben: ob Herzschmerz, Leidenswege oder Abtauchen in tiefste Seelenabgründe. Mitunter kamen einem fast die Tränen. Ein rundum grandioser Saisonauftakt – nur etwas zu vollgepackt.

Bildnachweis: Helmut Pfeifer

  • ÜBER DIE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER

    Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zählt zu den renommiertesten Klangkörpern Deutschlands und begeistert seit über einem Jahrhundert mit ihrem vielseitigen Repertoire und einer lebendigen Konzertkultur. Gerade Richard Strauss' farbenreiche Orchesterkunst und Prokofjews klanggewaltige Ballettmusik bieten dem Ensemble Gelegenheit, seine außergewöhnliche Ausdrucksvielfalt zu zeigen. Am Pult steht Michael Francis, dessen Karriere als Dirigent nach einer erfolgreichen Laufbahn als Kontrabassist begann und ihn in kurzer Zeit an die Spitze bedeutender Orchester in Europa, Nordamerika und Asien führte. Als Solistin ist Anna Vinnitskaya zu erleben, die seit ihrem Sieg beim renommierten Concours Reine Elisabeth zu den führenden Pianistinnen ihrer Generation zählt. Mit Béla Bartóks erstem Klavierkonzert, einem Werk voller rhythmischer Energie, perkussiver Kraft und faszinierender Klangfarben, kann sie ihre beeindruckende Virtuosität ebenso wie ihre gestalterische Tiefe eindrucksvoll entfalten.

  • REZENSION

    Ein traumhafter Start in die neue Saison

    Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz begeistert im Wieslocher Palatin mit Strauss, Bartók und Prokofjew

    Von Simon Scherer   |  RNZ 28.09.26


    Beim Saisonauftakt der Wieslocher Kunstfreunde wurden gleich zwei Markenzeichen dieser Abo-Reihe deutlich, die in der 66. Ausgabe stolze 61 Neuabonnenten begrüßte: Zum einen wird im Staufersaal des Palatins neben Kammermusik stets auch große Sinfonik geboten, zum anderen stehen hier keineswegs nur eingängige Dauerbrenner auf dem Programm. Diesmal Bartóks 1. Klavierkonzert, das nur selten im Konzertleben auftaucht und keine einfache Kost ist. Zur Eröffnung wurde allerdings erstmal veranschaulicht, welch üppige Besetzung die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mitgebracht hatte. Und wer eignet sich hierfür besser als Richard Strauss. Die vielen kleinen Bausteine von „Till Eulenspiegels lustigen Streichen“ wurden stets auf neue Instrumente verteilt, die von Dirigent Michael Francis transparent und pointiert herausgearbeitet wurden. Generell überzeugten die Pfälzer mit sauberer Klangarbeit und rhythmischer Präzision, was nicht zuletzt den klaren Instruktionen ihres Chefdirigenten zu verdanken war. Vom ersten bis zum letzten Takt hatten sie op. 28 voll unter Kontrolle, bewahrten sich aber auch eine verschmitzte Leichtigkeit, die das Hörerlebnis kurzweilig und unbefangen machte. 

    Bereits der Aufbau zu Bartóks Klavierkonzert war außergewöhnlich: Vor dem Orchester stand neben dem Flügel nämlich noch reichlich Schlagwerk. Die Rhythmik bildet eben ein tragendes Element von Sz 83. Das zeigt gleich der Beginn, wenn die ersten Klaviertöne von hartnäckigen Paukenschlägen begleitet werden. Solistin Anna Vinnitskaya offerierte passend einen kraftvollen und kernigen Anschlag, schlank in der Gestalt und beharrlich insistierend. Da wurde man ordentlich wachgerüttelt. Generell hatte sich die Russin tief in das Wesen des Dreisätzers eingedacht, wusste die unterschiedlichen Gefühlsfelder deutlich zu trennen und jeden Moment für sich sprechen zu lassen. Zusammen mit der rhythmischen Schlagkraft waren die Hörer hier ziemlich gefordert. Im Andante wurden sie hingegen ins Reich der Phantasie entführt - bei Klängen, die ganz neue Dimensionen eröffneten und in weite Ferne blickten. Diese Reise war ungemein vielschichtig und durchaus vertrackt. Im finalen Allegro entfachten die Musiker in wilder Entschlossenheit nochmals ein spektakuläres Feuerwerkt, wonach die Zugabe richtig wohltuend war: Silotis h-Moll-Prelüde nach Bach. 

    Nachdem sich die Staatsphilharmonie schon für Bartók als kongenialer Partner präsentiert hatte, bescherte sie mit Auszügen aus Prokofjews „Romeo & Julia“ einen fulminanten Abschluss. Allein das einzigartige Crescendo zu Beginn ließ kein Zuhörer-Herz unberührt. Francis mischte dieser ausladenden Romantik eine verwegene Gangart bei, die vom Orchester herrlich rustikal umgesetzt wurde. Auch die anderen Bilder malten die Musiker mit Feingespür und Sensibilität aus – ganz besonders das Pendeln zwischen süßlicher Romantik und verruchter Leidenschaft. Die weltberühmte Liebesgeschichte war somit hautnah mitzuerleben: ob Herzschmerz, Leidenswege oder Abtauchen in tiefste Seelenabgründe. Mitunter kamen einem fast die Tränen. Ein rundum grandioser Saisonauftakt – nur etwas zu vollgepackt.