
Montag | 12.01.2026 | 19.30 Uhr
€45 | 39 | 29
Bundesjugendorchester
Stephen Waarts Violine
Anu Tali
Leitung
ÜBER DIE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER
Das Bundesjugendorchester, Deutschlands jüngstes Spitzenorchester und mittlerweile beliebter Stammgast bei den Kunstfreunden, vereint die herausragendsten Nachwuchstalente des Landes und steht für musikalische Exzellenz, Energie und Leidenschaft. Unter professioneller Anleitung erarbeiten sie anspruchsvolle Programme und präsentieren diese auf internationalen Bühnen mit beeindruckender Energie und Präzision. Mit der international gefeierten estnischen Dirigentin Anu Tali begibt sich das Ensemble auf eine klangliche Entdeckungsreise durch nordische Mythen, romantische Sehnsucht und orchestrale Farbmagie. Im solistischen Zentrum des diesjährigen Projekts steht der niederländisch-amerikanische Geiger Stephen Waarts, der aufgrund seiner technischen Brillanz und poetischen musikalischen Tiefe inzwischen zu den gefragtesten Violinisten seiner Generation gehört.
REZENSION
Feuerwerk funkelnder Raketen
Das Bundesjugendorchester und Anu Tali begeistern im Wieslocher Palatin mit Strawinskys "Feuervogel"
von Matthias Roth | Rhein-Neckar-Zeitung vom 14.01.26
Gleich zu Beginn des Jahres ein Höhepunkt: Das Bundesjugendorchester im Wieslocher Palatin ist immer etwas Besonderes, auch wenn der Altersunterschied zwischen dem Durchschnitt auf der Bühne und dem im Parkett circa ein halbes Jahrhundert betragen dürfte. Der Beifall im ausverkauften Haus war am Ende umso herzlicher.
Die aus Tallinn stammende Dirigentin Anu Tali leitet diese Wintertournee, die das Orchester nach Konzerten in Berlin auch nach Wiesloch führte, von wo die Reise weiter bis nach Dortmund geht. 282 junge Musikerinnen und Musiker sind in diesem Jahr auf drei Tourneen verteilt mit dabei – und etwa 100 davon, im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, ließen hier nun mit Werken von Sibelius, Mendelssohn und Strawinsky von sich hören.
Besonders dessen „Feuervogel“ bot ein schieres Feuerwerk funkelnder Raketen, gegen das jede Silvesterknallerei ein müder Dorftanz ist. Hier zeigten die jungen Musikerinnen und Musiker mit Brillanz und Mut zum Risiko, was in ihnen steckt – und die Dirigentin stachelte sie entsprechend an. Mit acht Kontrabässen war die Besetzung üppig, der Rhythmus dennoch knackig, und die Tutti-Streicher saßen vorn auf der Stuhlkante. Die Solisten an Fagott, Flöte, Horn, Harfe oder Pauke spielten fabelhaft punktgenau und vor allem: hoch musikalisch. Eine sensationelle Wiedergabe dieses hoch anspruchsvollen Werks.
Schon in Sibelius’ Sinfonische Fantasie „Pohjolas Tochter“ war das Cellosolo zu Beginn aufgefallen. Ausgezeichnet auch in Mendelssohns Ouvertüre zu „Athalia“ die Solistinnen und Solisten an anderen Instrumenten. Das zeigt den hohen musikalischen Standard der Ausbildung in Deutschland, und es ist nicht übertrieben, beim Bundesjugendorchester von der absoluten Elite der heutigen Musikjugend zu sprechen. Eine Erwähnung wert: Die Professoren André Schoch und Erhard Wetz von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim coachen die Blechbläser des Bundesjugendorchesters, während aus dem Umkreis Heidelberg nur eine Mannheimer Geigerin Mitglied des diesjährigen Orchesters ist.
Der Solist im Mendelssohn-Violinkonzert – der 29-jährige US-Amerikaner holländischer Abstammung Stephen Waarts – hat in zehn Jahren elf bedeutende Preise gewonnen und spielt berühmte Geigen. Seine Technik ist tadellos, er formuliert virtuos und mit betörendem Ton, aber sein Ausdruck zeigt recht wenig Persönlichkeit. Die frühe Romantik scheint ihm reine Herzensergießung zu sein, ein bisweilen süßliches Schmachten, und jede musikalische Artikulation opfert Waarts der gesanglichen Linie. Das rückt Mendelssohn näher zu Wagner (der einiges von diesem entlieh) als zu Beethoven, geschweige denn zu Bach, in dessen Tradition Mendelssohn stand.
Speziell dieser Konzerthit wirkte dadurch reichlich altbacken und kitschverdächtig. Mendelssohns letztes Solokonzert in der düsteren Tonart e-Moll hat mehr zu bieten als oberflächlich glitzernde Gefühlsartistik, in der dem Orchester nur begleitende Funktion zugebilligt wird. Was etwas schade war. Nichtsdestoweniger bedankte sich der hoch gewachsene Solist, der auch die auf dem Podest stehende Dirigentin noch um fast eine Kopflänge überragte, für den freundlichen Beifall mit der fünften Solosonate von Eugène Ysaÿe.
PROGRAMM
Jean Sibelius
"Pohjolas Tochter" Sinfonische Fantasie op. 49
Felix Mendelssohn Bartholdy
Violinkonzert e-Moll op. 64
Felix Mendelssohn Bartholdy
Ouvertüre zu "Schauspielmusik Athalia" op. 74
Igor Strawinsky
Suite aus "Der Feuervogel" (1945)
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ÜBER DIE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER
Das Bundesjugendorchester, Deutschlands jüngstes Spitzenorchester und mittlerweile beliebter Stammgast bei den Kunstfreunden, vereint die herausragendsten Nachwuchstalente des Landes und steht für musikalische Exzellenz, Energie und Leidenschaft. Unter professioneller Anleitung erarbeiten sie anspruchsvolle Programme und präsentieren diese auf internationalen Bühnen mit beeindruckender Energie und Präzision. Mit der international gefeierten estnischen Dirigentin Anu Tali begibt sich das Ensemble auf eine klangliche Entdeckungsreise durch nordische Mythen, romantische Sehnsucht und orchestrale Farbmagie. Im solistischen Zentrum des diesjährigen Projekts steht der niederländisch-amerikanische Geiger Stephen Waarts, der aufgrund seiner technischen Brillanz und poetischen musikalischen Tiefe inzwischen zu den gefragtesten Violinisten seiner Generation gehört.
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REZENSION
Feuerwerk funkelnder Raketen
Das Bundesjugendorchester und Anu Tali begeistern im Wieslocher Palatin mit Strawinskys "Feuervogel"
von Matthias Roth | Rhein-Neckar-Zeitung vom 14.01.26
Gleich zu Beginn des Jahres ein Höhepunkt: Das Bundesjugendorchester im Wieslocher Palatin ist immer etwas Besonderes, auch wenn der Altersunterschied zwischen dem Durchschnitt auf der Bühne und dem im Parkett circa ein halbes Jahrhundert betragen dürfte. Der Beifall im ausverkauften Haus war am Ende umso herzlicher.
Die aus Tallinn stammende Dirigentin Anu Tali leitet diese Wintertournee, die das Orchester nach Konzerten in Berlin auch nach Wiesloch führte, von wo die Reise weiter bis nach Dortmund geht. 282 junge Musikerinnen und Musiker sind in diesem Jahr auf drei Tourneen verteilt mit dabei – und etwa 100 davon, im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, ließen hier nun mit Werken von Sibelius, Mendelssohn und Strawinsky von sich hören.
Besonders dessen „Feuervogel“ bot ein schieres Feuerwerk funkelnder Raketen, gegen das jede Silvesterknallerei ein müder Dorftanz ist. Hier zeigten die jungen Musikerinnen und Musiker mit Brillanz und Mut zum Risiko, was in ihnen steckt – und die Dirigentin stachelte sie entsprechend an. Mit acht Kontrabässen war die Besetzung üppig, der Rhythmus dennoch knackig, und die Tutti-Streicher saßen vorn auf der Stuhlkante. Die Solisten an Fagott, Flöte, Horn, Harfe oder Pauke spielten fabelhaft punktgenau und vor allem: hoch musikalisch. Eine sensationelle Wiedergabe dieses hoch anspruchsvollen Werks.
Schon in Sibelius’ Sinfonische Fantasie „Pohjolas Tochter“ war das Cellosolo zu Beginn aufgefallen. Ausgezeichnet auch in Mendelssohns Ouvertüre zu „Athalia“ die Solistinnen und Solisten an anderen Instrumenten. Das zeigt den hohen musikalischen Standard der Ausbildung in Deutschland, und es ist nicht übertrieben, beim Bundesjugendorchester von der absoluten Elite der heutigen Musikjugend zu sprechen. Eine Erwähnung wert: Die Professoren André Schoch und Erhard Wetz von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim coachen die Blechbläser des Bundesjugendorchesters, während aus dem Umkreis Heidelberg nur eine Mannheimer Geigerin Mitglied des diesjährigen Orchesters ist.
Der Solist im Mendelssohn-Violinkonzert – der 29-jährige US-Amerikaner holländischer Abstammung Stephen Waarts – hat in zehn Jahren elf bedeutende Preise gewonnen und spielt berühmte Geigen. Seine Technik ist tadellos, er formuliert virtuos und mit betörendem Ton, aber sein Ausdruck zeigt recht wenig Persönlichkeit. Die frühe Romantik scheint ihm reine Herzensergießung zu sein, ein bisweilen süßliches Schmachten, und jede musikalische Artikulation opfert Waarts der gesanglichen Linie. Das rückt Mendelssohn näher zu Wagner (der einiges von diesem entlieh) als zu Beethoven, geschweige denn zu Bach, in dessen Tradition Mendelssohn stand.
Speziell dieser Konzerthit wirkte dadurch reichlich altbacken und kitschverdächtig. Mendelssohns letztes Solokonzert in der düsteren Tonart e-Moll hat mehr zu bieten als oberflächlich glitzernde Gefühlsartistik, in der dem Orchester nur begleitende Funktion zugebilligt wird. Was etwas schade war. Nichtsdestoweniger bedankte sich der hoch gewachsene Solist, der auch die auf dem Podest stehende Dirigentin noch um fast eine Kopflänge überragte, für den freundlichen Beifall mit der fünften Solosonate von Eugène Ysaÿe.
